Bei uns geht's R.U.N.D.
Liebe Tänzerinnen und Tänzer,
uns ist es unglaublich wichtig, dass sich bei unserem tollen Hobby alle wohlfühlen!
Daher wurde schon vor längerem eine Initiative zum Thema „Prävention sexueller Belästigung“ gestartet. In diesem Zusammenhang sind immer wieder Diskussionen über unsere Tanzkultur, Traditionen und die ungeschriebenen Regeln unserer Gemeinschaft aufgekommen. Wir haben diese kritisch hinterfragt, teilweise aktualisiert und als
Regeln zum Umgang mit Nähe und Distanz
niedergeschrieben. Diese möchten wir euch im Folgenden gerne vorstellen und ein bisschen erklären:
Bei uns darf jede(r) jede(n) zum Tanzen auffordern, dabei gibt es keine Beschränkungen.
Auch Vorstandsmitglieder und Leader dürfen aufgefordert werden.
Teil unseres Hobbys ist es, neue Leute kennenzulernen. Trau dich einfach und such dir jemanden!
Für mich ist einer der größten Vorteile unserer Tanzsparten: Ich brauche keine(n) feste(n) Partner(in), sondern kann allein, mit Freunden oder der Familie kommen und mir für jede Runde aussuchen, mit wem ich tanzen möchte. Ich bin nicht darauf angewiesen, aufgefordert zu werden und muss mich auch nicht an irgendwelche Hierarchien halten. Ich kann auffordern oder aufgefordert werden, immer neue Leute kennenlernen und mit alten Bekannten tanzen – und das alles an einem einzigen Abend!
Jede(r) braucht mal eine Pause, hat Hunger oder muss mal…
Du darfst ohne Begründung oder Rechtfertigung entscheiden,
ob du tanzen möchtest oder nicht.
Du bist nicht gezwungen, eine Aufforderung anzunehmen,
aber auch du musst eine Absage akzeptieren.
Lange Zeit galt das ungeschriebene Gesetz, dass Aufforderungen auf keinen Fall abgelehnt werden dürfen. Es ist doch gerade Kennzeichen unserer Gemeinschaft, dass alle mit allen tanzen!
Und doch finden wir es für die Ausrichtung auf die Zukunft wichtig, auch diese alten Traditionen zu hinterfragen und unter Umständen neu zu definieren.
Ich möchte hier mal zwei Beispiele anführen, die gar nichts mit sexueller Belästigung zu tun haben und trotzdem verdeutlichen, wie das Ablehnen einer Aufforderung den Tanzabend schöner machen kann:
1. Es sind genau 16 Tänzer(innen) beim Clubabend. Also ist die Erwartung: es
müssen durchgehend zwei Squares tanzen.
Das schaffen aus gesundheitlichen Gründen allerdings nicht alle. Aus Angst vor
negativen Kommentaren kommt ein Teil der Tänzer(innen) lieber gar nicht zum
Tanzen als evtl. eine Aufforderung ablehnen zu müssen.
2. Ich bin auf einem Special unterwegs, habe länger nichts gegessen oder getrunken und will eine Pause machen. Nun werde ich aufgefordert und tanze mit, weil ich nicht Nein sagen möchte. Hinterher ist mir schwindelig.
Beide Situationen habe ich genauso schon erlebt. In beiden Situationen kann eine Ablehnung der Aufforderung die Lösung sein! Im ersten Fall kann man sich vielleicht im Verein absprechen, wie man den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden kann. Im zweiten Fall kannst du dich eventuell für später verabreden.
Wir wollen erreichen, dass die Ablehnung einer Aufforderung auch ohne konkrete Begründung akzeptiert wird. Vielleicht gibt es Gründe, die ich nicht teilen möchte, vielleicht ist mein Gegenüber bei einem vorherigen Tanz bereits unangenehm aufgefallen und ich möchte das nicht wieder erleben.
Was auch immer der Grund: Bei einer Aufforderung zum Tanz darf jede(r) frei entscheiden, ja oder nein zu sagen.
Ich persönlich denke, dass wir als Gemeinschaft hier sicher in den nächsten Jahren einen guten Kompromiss finden werden, um einerseits die Entscheidungsfreiheit der Einzelnen zu stärken und gleichzeitig an unserem Grundgedanken festzuhalten, dass alle mit allen tanzen. Ich kenne Vereine, in denen das bereits bestens funktioniert. Sollte das in deinem Verein noch nicht so gelebt werden, verweise gerne auf dieses R.U.N.D.-Konzept.
Eine gute Tanzhaltung erleichtert das Tanzen und fördert die Tanzfreude.
Sie kann Halt geben und den Bewegungsfluss verbessern.
Außerdem vermeidet sie Verletzungen und Missverständnisse.
Wenn dir etwas unangenehm ist, teile es deinem Gegenüber mit. Sei offen für Rückmeldungen und gib diese auch selbst.
Das kennen wir alle: Man steht mit den richtigen Leuten im Square oder mit dem Lieblingstanzpartner beim Round auf der Tanzfläche und es passt einfach. Für mich „passt“ es oft, wenn alle die gleiche Energie haben, die helfende Hand zur richtigen Zeit kommt und die Bewegungen gut zusammenpassen.
Andererseits haben wir auch alle schon „den toten Fisch“, „den Schraubstock“ oder eventuell auch die Hand an der falschen Stelle erlebt. Dann macht das Tanzen sofort weniger Spaß, Figuren funktionieren schlechter und der Spaß bleibt auf der Strecke.
Daher wollen wir zur Selbstreflexion aufrufen:
- Wo sind deine Hände?
- Wie bewegst du dich im Zusammenspiel mit den anderen?
- Wie stark greifst du zu?
- Lässt du auch rechtzeitig wieder los?
Wir begrüßen uns so, dass sich alle wohlfühlen.
Achte dabei auch auf Gestik und Mimik deines Gegenübers,
es möchten zum Beispiel nicht alle umarmt werden.
Beim Tanzen nennen wir uns alle beim Vornamen, vieles funktioniert unkompliziert und oft sind wir auch sehr herzlich. Außerdem ist es Tradition alle im Square und meist auch alle im Tanzraum zu begrüßen. Viele umarmen sich zur Begrüßung, manche geben sich sogar ein Küsschen auf die Wange.
Aber das ist nicht für jede(n) die richtige Form. Vielleicht ist dein Gegenüber allgemein eher schüchtern, mag so engen Kontakt nicht oder ist einfach neu bei unserem Hobby und kennt dich noch nicht. Achte daher auf Zeichen deines Gegenübers! Wenn dir eine Hand zur Begrüßung entgegengestreckt wird, bestehe nicht auf einer Umarmung. Auch ein gewunkenes „Hallo“ kann Teil einer sehr herzlichen Begrüßung sein.
Jeder hat eine individuelle Wohlfühlzone und persönliche Grenzen.
Respektiere die Grenzen der Anderen.
Mache keine Fotos ohne Zustimmung und halte Abstand – insbesondere in Duschen, Umkleiden und Schlafhallen.
Wir alle wollen gerne Erinnerungen von unseren schönen Erlebnissen haben. So werden vor allem auf Specials viele Fotos und manchmal auch Videos gemacht. Sei dir aber bewusst, dass vielleicht nicht jede(r) sich damit wohlfühlt aufgenommen zu werden.
Achte darauf, wen du vor der Linse hast und prüfe – vor allem vor einer Veröffentlichung zum Beispiel in den sozialen Medien – nochmal kritisch, ob das Bild wirklich in die Öffentlichkeit sollte.
Und dann gibt es beim Tanzen natürlich auch besonders private Momente. Dazu zählen unter anderem Umkleideräume, Duschen oder auch Schlafhallen. Dass hier Kameras nichts zu suchen haben, erklärt sich hoffentlich von selbst!
Aber auch die sogenannten Distanzzonen (intime, persönliche, soziale und öffentliche Distanzzone) spielen hier eine besondere Rolle.
Versuche daher in diesen Situationen besonders auf ausreichenden Abstand zu deinen Mittänzer(innen) zu achten und dem respektvollen Umgang besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Höflichkeit und Freundlichkeit prägen unser Miteinander.Auch für die digitalen Medien gelten die Umgangsformen des echten Lebens.
Dies gilt zum Beispiel im Umgang mit unterschiedlichen Altersgruppen, sexuellen Orientierungen, Nationalitäten...
Achte insbesondere bei der Anwesenheit von Kindern auf eine altersgerechte und respektvolle Sprache.
Wir sagen oft: „Friendship is dancing’s greatest reward”. Damit das auch in der Realität so ist beziehungsweise bleibt, sollten wir alle als erstes auf unsere Sprache achten. Das gilt sowohl im echten Leben als auch online. Auch eine Meinungsverschiedenheit sollte nicht zu Beleidigungen und ähnlichem führen.
Aber auch im normalen Umgang lohnt es sich, auf die eigene Ausdrucksweise zu achten:
- Ist der Spruch, den ich gerade machen will, für meine Mittänzer(innen) angemessen?
- Sind Kinder im Raum?
- Versteht jede(r) meinen Humor?